15.05.2020

Meins, deins und zusammen

Foto: Bilderbox

Vor sieben Wochen dachten Sie vielleicht noch: Wow, super, endlich haben mein Partner und ich Zeit füreinander! Das ist ja fast wie Urlaub. Doch dann fiel Ihnen vielleicht mit der Zeit auf: Hm, Urlaub fühlt sich irgendwie anders an.

Wo liegt nun der Unterschied? Urlaub ist eine bewusste Entscheidung, was einen qualitativen Unterschied macht. Fast das Beste daran ist die Planung und Vorfreude. Vor Ort werden Unternehmungen gemacht, Museen besichtigt, in den Pool getaucht. Zuhause kann es schon ein Highlight sein, sich zum Abendessen mal wieder an den Esstisch zu setzen und nicht am Couchtisch zu bleiben. Im Urlaub können wir uns auch mal aus dem Weg gehen und frei bewegen.

Wie schaffen wir es also als Paar, weiter mit dieser außergewöhnlichen, nicht frei gewählten Zeit umzugehen. Eventuell können Sie schon wieder arbeiten gehen, vielleicht aber auch nicht. Soziale Kontakte sind weiterhin nur abgespeckt und mit viel Abstand erlaubt. D.h. der Barbesuch mit Freunden entfällt, das Fitnessstudio kann nicht genutzt werden, der Ausflug zur Familie fehlt. Viele Möglichkeiten zeitweise Distanz zu erzeugen, fallen aktuell (immer noch) weg. Also heißt es kreativ zu werden: Haben Sie vielleicht räumlich die Möglichkeit, dass tatsächlich jeder sein eigenes Zimmer haben kann? Oder gibt es einen Raum, einen Bereich, welcher als Rückzugsraum benannt werden kann? Wenn Sie möchten, vereinbaren Sie solch einen Raum oder Bereich. Erlauben Sie sich gegenseitig und ohne Vorwürfe Zeit für sich. Natürlich bedarf dies gerade bei gleichzeitiger Kinderbetreuung guter Absprachen. Neben den individuellen Räumen, sollte aber auch der gemeinsame Raum gewürdigt und ab und an sogar zelebriert werden. Verabreden Sie sich zum Beispiel zum Abendessen. Schlüpfen Sie aus Jogginghose und Leggings und machen sich hübsch füreinander. Sie werden vielleicht merken, dass so auch die Vorfreude und Lust aufeinander wiederkommen kann.

Autorin: Johanna Dautermann, Caritas Heilbronn-Hohenlohe