27.03.2020

Unsere Struktur – unser Halt

So sehr man sich in schwierigen Zeiten, mit wachsenden Problemen und steigendem Druck einen genauen Familien-Fahrplan wünscht, die Lösungen und Auswege sind meist so unterschiedlich und individuell wie die Familien selbst. Dennoch ist der Wunsch nachvollziehbar und die Aussichten sind gar nicht mal so schlecht.

Jede Familie hat ihr eigenes Familienleben - da geht es nicht nur darum, wer alles zur Familie gehört, sondern auch um die Vorstellung wie ein zufriedener Alltag zuhause aussieht. Gerät die Alltags-Familien-Zufriedenheit ins Wanken und geht es um die Bewältigung der alltäglichen Probleme, stoßen wir ziemlich schnell auf stützende Helfer in der Not: Struktur, Rituale und Routinen. Sie geben uns Stabilität und damit ein sicheres Gefühl in kritischen Zeiten und chaotischen Gefühlszuständen. Sie schaffen gemeinsame Bezugspunkte, an denen man sich festhalten kann. Dabei haben gemeinsame, zu regelmäßig Zeiten stattfindende Mahlzeiten, Entspannungsroutinen und Schlafrituale eine lange Tradition und bewährten sich schon bei unseren Großeltern (Audehm 2007).

Was ist nun das Hilfreiche an einer Struktur für den Alltag? Aus der sozialpsychologischen Forschung wissen wir, dass Gewohnheiten Ressourcen, also Energie einsparen können (Gollwitzer 2011). Das heißt, wenn einfach klar ist, zu einer bestimmten Uhrzeit wird gegessen, ferngesehen, die Hausarbeit gemacht, entspannt, müssen wir nicht jeden Tag aufs Neue entscheiden, was machen wir jetzt alle um zwölf Uhr. Denn Entscheidungen treffen kostet Kraft und Energie, die wir auch anderweitig gut gebrauchen können. Ein weiterer, wichtiger Punkt ist, wenn alle genau wissen, was als nächstes kommt, kann man sich besser darauf einlassen, die Momente eher auskosten und bewusster wahrnehmen. Ein Missverständnis ist, dass wir dadurch unflexibel werden.

Aber ein durchgeplanter Tagesablauf ist nicht nur nicht in Stein gemeißelt, sondern im Gegenteil: Er eröffnet viele Fenster für Freiräume. Um uns also gerade in unsicheren Zeiten Orientierung und Halt zu geben, macht es durchaus Sinn den Tag zu strukturieren – ganz so wie es in das eigene Familienleben passt.

Autorin: Sarah Hahn, Caritas Heilbronn-Hohenlohe

Literaturhinweis:
Audehm, K., Erziehung bei Tisch. Zur sozialen Magie eines Familienrituals, Bielefeld 2007. Gollwitzer, P. M., & Oettingen, G. (2011). Planning promotes goal striving. In K. D. Vohs & R. F. Baumeister (Eds.), Handbook of self-regulation: Research, theory, and applications (2nd ed., pp. 162--185). New York, NY: Guilford Press.