02.04.2020

Sich gegenseitig nerven wird zu neugierig sein

Foto: Bilderbox

Wie wunderbar, endlich kann ich 24 Stunden am Stück mit meinem*r Partner*in verbringen. Die Kontaktbeschränkung hat doch etwas Gutes, oder?

Gemeinsam aufstehen, zur gleichen Zeit arbeiten, das gleiche Buch lesen, den gemeinsamen Film schauen und dann fängt es an: Hat er eigentlich schon immer so langsam gegessen? Diese alte Jogginghose kann ich einfach nicht mehr sehen. Ständig hängt sie im Online Shop rum. Wann kann ich hier raus? Sie kennen das vielleicht: Endlich viel Zeit mit dem Partner verbringen, doch dann sind Sie total genervt und die gemeinsame „Quarantäne“ wird zur Qual.

Wieso ist das so? Partnerschaft und Liebe nähren sich aus der Ambivalenz von Nähe und Distanz sowie der Balance aus Autonomie/Individualität und Gemeinsamkeit. In dieser einschränkenden Zeit sind wir uns dauerhaft sehr (räumlich) nahe und es bleibt wenig Platz für Eigenes (keine Sorge, hier kommt noch ein extra Beitrag). Vielleicht sind Sie beide im Home Office oder können grade nicht arbeiten, das heißt die „natürliche“ Trennung und somit ein gewisser Spannungsaufbau über den Tag hinweg fehlt. Da gilt es umso mehr, dieses aufregende Spiel der Ambivalenzen selbst zu erzeugen, um so füreinander spannend zu bleiben, nicht genervt voneinander zu sein, Neues zu entdecken.

Unsere beste Freundin ist dabei die Neugier: Wann waren Sie zuletzt neugierig auf Ihre*n Partner*in? Wann haben Sie das letzte Mal etwas Neues über Ihre*n Partner*in erfahren, mit ihm erlebt, an ihr entdeckt? Nehmen Sie sich etwas Zeit und denken Sie über diese Fragen nach. Wenn Ihnen nichts einfällt oder die letzte Erfahrung sehr lange her ist, wird es höchste Zeit, Ihre*n Partner*in mit Neugier zu betrachten, aufmerksam zuzuhören und bei Berührungen einmal ganz genau hinzuspüren.

Autorin: Johanna Dautermann, Caritas Heilbronn-Hohenlohe